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Windkraft-Zubau fällt auf 20-Jahres-Tief

28. Januar 2020
 
Die Windenergiebranche erneuert ihren Appell an die Bundesregierung, den Ausbau an Land zu entfesseln. Dabei pocht sie insbesondere darauf, zügig den Aktionsplan umzusetzen, den Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Ende 2019 nach einem Krisengipfel von Branche, Bund und Ländern präsentiert hatte. 
 
Von den darin aufgeführten 18 Punkten sei bis heute kein einziger vollständig umgesetzt, kritisierten Branchenvertreter vor Journalisten in Berlin. Sie riefen Bund und Länder außerdem auf, von der "kontraproduktiven" Abstandsregel - einer von Altmaiers 18 Punkten - abzusehen. Den jüngsten Vorstoß seitens der Union bewerten sie indes positiv. Dieser sei "auf den ersten Blick etwas konstruktiver", sagte etwa Hermann Albers, Präsident Bundesverband Windenergie (BWE).
 
Im Unterschied zu dem vorherigen sehe der aktuelle Vorschlag nämlich vor, die Festlegung des 1.000-Meter-Abstands zwischen Windrad und Siedlung an die Bebauungspläne im kommunalen Bereich zu knüpfen. Damit könnten verdichtete Ortsbestandteile gemeint sein - ein Fortschritt zu der bisherigen 5-Häuser-Regel, so Albers. Allerdings müsse er den Unions-Vorschlag noch genauer prüfen, bevor eine abschließende Bewertung möglich ist. Die Union hat Medienberichten zufolge ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Auch der Koalitionspartner SPD ist noch mit dessen Prüfung befasst.
 
Weitere 25 Prozent der Arbeitsplätze bedroht
Zudem forderte Albers, das Repowering zu erleichtern - gerade vor dem Hintergrund von Abstandsdebatten und der Tatsache, dass Ende 2020 rund 4.000 MW derzeit installierter Leistung aus der EEG-Förderung fielen. Politische Ergebnisse zur Stärkung der Windindustrie wolle BWE-Chef Albers spätestens bis zum Ende des ersten Quartals 2020 sehen. Onshore-Wind erlebe den "dramatischsten Einbruch" seit 20 Jahren. Die Branche habe 40.000 Beschäftigte in den vergangenen drei Jahren entlassen müssen. Allein durch den Wegfall der Nachfrage aus Deutschland drohten weitere 25 Prozent der Beschäftigten wegzubrechen. "Dieser Trend kann nur mit schnellen und deutlichen Maßnahmen aufgehalten werden", insistierte Albers.
 
Neuzubau: Verbändeprognose war zu optimistisch
Anlass ist die Veröffentlichung neuer Zubauzahlen für das Jahr 2019 durch die Beratung Deutsche Windguard GmbH im Auftrag des BWE und des Herstellerverbandes VDMA Power Systems. Demnach betrug der Bruttozubau im vergangenen Jahr 1.078 MW beziehungsweise 325 Anlagen, was den niedrigsten Stand seit Einführung des EEG im Jahr 2000 markiert. Zugleich liegt die Zahl auch unter der Prognose von BWE und VDMA von 1.500 MW. Netto, also ohne abgebaute oder repowerte Anlagen, lag der Zubau bei 981 MW beziehungsweise 243 Anlagen.
 
Für das laufende Jahr rechnen die Verbände mit einem Zubau von 1.400 bis 1.800 MW. Um das 65-Prozent-Ziel bis 2030 zu erreichen, sei jedoch ein Zubau von rund 5.000 MW pro Jahr erforderlich. Knud Rehfeldt, Geschäftsführer von Deutsche Windguard, wies in dem Kontext darauf hin, dass fünf der sechs Ausschreibungen 2019 unterzeichnet waren. Immerhin sei eine Zunahme bei den Genehmigungen von 29 Prozent gegenüber 2018 zu verzeichnen gewesen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 2.000 MW genehmigt worden, so Rehfeldt. Es brauche jedoch deutlich mehr Genehmigungen, um das Ausschreibungsvolumen überhaupt zu erreichen. 2020 werden für die Onshore-Windkraft allein 4.100 MW ausgeschrieben.
 
"Verteilungskämpfe" bei Grünstrom in Aussicht
BWE-Chef Albers warnte zudem vor "Verteilungskämpfen" bei Strom aus erneuerbaren Energien, wenn nicht auch die Windenergie weiter ausgebaut wird. Denn klar sei, dass der Strombedarf aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrs- und Gebäudesektors steigen wird. Dazu komme der wachsende Hunger der Industrie, wie etwa die Ankündigung des Autobauers BMW, bis Jahresende ausschließlich Grünstrom beziehen zu wollen, verdeutliche.
 
Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Julia Verlinden, sieht anlässlich der Zubauzahlen "eine der wichtigsten Klimaschutztechnologien in Deutschland in Gefahr und mit ihr tausende Arbeitsplätze." Die Verantwortung für diese desaströse Entwicklung liege bei der Bundesregierung, so Verlinden. Einen zentralen Grund sieht sie in der Umstellung auf das Ausschreibungssystem. Die Grünen-Politikerin forderte die Regierung auf, den Ausbau der Windenergie an Land "wieder in Gang zu bringen."
 
 
Quelle: energate