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Szenariorahmen: Strombedarf steigt

17. Januar 2020
 
Die vier Übertragungsnetzbetreiber gehen für die Zeit bis 2035 von einem weiter steigenden Stromverbrauch aus. Der Strombedarf könnte um bis zu einem Viertel zulegen, zeigt der Entwurf für den Szenariorahmen zum Netzentwicklungsplan 2035, den die Bundesnetzagentur nun veröffentlicht hat. 
 
Zuständig für die Erarbeitung des Entwurfs sind die vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW. In dem über 100-seitigen Papier stellen sie dar, welche Entwicklungen des Strommarkts sie für die Zeit bis 2035 und 2040 erwarten.
 
Neue Großverbraucher
In dem Papier stellen die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) vier mögliche Szenarien der wahrscheinlichen Entwicklung des Stromsektors nebeneinander. Dabei gehen sie auf der einen Seite im Vergleich zum vergangenen Szenariorahmen für das Jahr 2030 von deutlich höheren installierten Ökostrom-Kapazitäten aus. Auf der anderen Seite erwarten sie durch den Kohleausstieg den Wegfall konventioneller Kraftwerkskapazitäten. 
 
Die vier Szenarien unterscheiden sich beispielsweise in der Ausprägung der Sektorkopplung. Angesichts der zunehmenden Kopplung der Sektoren Elektrizität, Wärme und Verkehr gehen die ÜNB in allen Szenarien von einer Zunahme des Stromverbrauchs aus. Trotz umfassender Energieeffizienzmaßnahmen steige der Verbrauch durch neue Stromanwendungen wie beispielsweise Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen. Damit wird sich der Strombedarf nach den Berechnungen der Netzbetreiber im Zeitraum 2016 bis 2035 mindestens um 8,9 Prozent auf dann 637,5 Mrd. kWh erhöhen. Im Szenario C gehen die ÜNB sogar davon aus, dass der Stromverbrauch um fast ein Viertel (24,6 %) auf dann 728,9 Mrd. kWh steigt. Dieses Szenario ist dasjenige mit dem höchsten Anteil erneuerbarer Energie sowie einer weit vorangeschrittenen Sektorkopplung. Aber auch das stromnetzorientierte Verhalten von Erzeugern und Verbrauchern ist in diesem Szenario stark fortgeschritten.
 
"Es wird Zeit, dass die Bundesregierung die rosarote Brille ablegt und die benötigte Infrastruktur anpasst", forderte mit Blick auf die Prognosen zum steigenden Strombedarf Ingrid Nestle, energiewirtschaftliche Sprecherin der Grünen. "Die Bundesregierung ist wirklich der letzte Akteur, der von einem Rückgang des Strombedarfs ausgeht." Es sei zudem kontraproduktiv die Wasserstoffproduktion in Industrienähe zu planen. "Wasserstoff muss in der Nähe von Erneuerbare-Energien-Anlagen hergestellt werden", so Nestle. Hierfür forderte sie die richtigen Anreize.
 
Installierte Leistung verdoppelt sich
Nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch die installierte Leitung steigt laut Szenariorahmen deutlich an. Für das Jahr 2035 nehmen die ÜNB eine installierte Leistung erneuerbarer Stromerzeugung zwischen 235 und 276 GW an, 2018 waren es noch 116 GW. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch erreicht zwischen 73 und 77 Prozent. Als zentrale Faktoren zur Beeinflussung des Netzentwicklungsbedarfs sehen die Übertragungsnetzbetreiber nach eigenen Worten die zukünftige regionale Verteilung sowohl auf der Erzeugungs- als auch auf der Verbrauchsseite. "Auch das Einsatzverhalten von Stromerzeugern und -verbrauchern sowie die Nutzungsintensität von Strom im Zuge der Sektorenkopplung ist entscheidend", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der ÜNB weiter.
 
Stellungnahmen bis 17. Februar
Die Bundesnetzagentur hat den Szenariorahmen im Internet veröffentlicht und zur Konsultation gestellt. Bis zum 17. Februar nimmt die Behörde Stellungnahmen entgegen. Der Szenariorahmen stellt die Basis dar, auf dessen Annahmen die Übertragungsnetzbetreiber anschließend den Netzentwicklungsplan (NEP) 2021-2035 erstellen. Seinen Vorgänger, den NEP 2019-2030, hatte die Bundesnetzagentur erst kurz vor Weihnachten genehmigt. Er geht von 3.600 zusätzlichen Trassenkilometern aus.
 
 
Quelle: energate