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Solar-PPA-Markt wächst trotz Corona

03. Dezember 2020
 
Die Pipeline ungeförderter Solarprojekte in Deutschland wird allen Widrigkeiten zum Trotz weiter anwachsen. Die installierte Leistung werde weit über die 500 MW hinausgehen, die in verschiedenen Pressemitteilungen angekündigt wurden, sagte Fritz Halla vom Beratungshaus Enervis in einer Web-Konferenz des Energie-Netzwerks Carmen.
 
Davon refinanzierten sich fast alle über Power-Purchase-Agreements (PPA). Der Analyst hält für die nächsten Jahre kumuliert 5.000 bis 6.000 MW weitgehend ungeförderter Solarparks in Deutschland für möglich. 
 
1.500 MW in Bebauungsplanverfahren
Gut 4.000 MW dieser "Merchant"-Projekte seien sehr konkret, sagte er in der Webkonferenz. Diese setzten sich zusammen aus Vorhaben in verschiedenen Entwicklungsstadien. Für insgesamt 300 MW sei die Inbetriebnahme öffentlich für dieses Jahr angekündigt, weitere 500 MW für nächstes Jahr. 1.500 MW entfallen auf nicht verlautbarte Projekte ohne oder teilweise mit EEG-Förderung, die sich in öffentlichen Bebauungsplanverfahren befinden. Weitere Kapazitäten bestehen etwa aus Bestandsanlagen und Erweiterungen. Enervis-Kollege Benedikt Ziegert ergänzte auf energate-Nachfrage, annähernd 100 Prozent der Merchant-Projekte refinanzierten sich projektbezogen über Power-Purchase-Agreements und ein kleiner Rest über Konzernfinanzierung.
 
Laut Halla hat die Coronakrise "keine langfristigen Auswirkungen" auf das Geschäft. Zwar habe der erste Lockdown die wichtigste Berechnungsgrundlage für den PPA-Lieferpreis, die Strom-Jahresprodukte, zeitweise massiv entwertet und bis April auch die Zahl der PPA-Ankündigungen reduziert. Doch der Terminmarktpreis "fängt sich einigermaßen", so Halla. 
 
PPA-Preis: Jahresprodukte als Fixpunkt
Beim PPA-Preis, in der Regel einem fixen Arbeitspreis oder einer Bandbreite davon, orientieren sich Anlagenbetreiber und Stromkäufer an den Börsennotierungen für die künftigen Jahresprodukte im Großhandel. An diesen Preisen wird ein technologiespezifischer, spotpreisbasierter "Marktwert" angelegt. Dieser Abzug fiel laut Halla in diesem Jahr bis Oktober im Schnitt besonders stark aus: Bei deutscher Windkraft fiel der Referenzmarktwert gegenüber 2018 von über 85 auf etwas unter 80 Prozent. Bei PV sank er von fast 110 auf gut 90 Prozent. Halla führt dies auf eine "Kannibalisierung" der Erneuerbaren zurück. In den sonnenreichsten Mittagsstunden etwa drücken die PV-Anlagen die Spot-Stundenpreise. Michael Claußner von Energy Brainpool bezifferte den "Kannibalisierungseffekt" bei PV auf minus 60 Cent/MWh pro zugebautem Gigawatt.
 
EEG-Novelle mit positivem Einfluss
Als einen weiteren Einflussfaktor auf den PPA-Markt haben die Berater die bevorstehende EEG-Novelle ausgemacht. Wird der EEG-Entwurf so verabschiedet wie vorgelegt, dann spielt dies nach Hallas Meinung dem Geschäftsmodell PPA eher in die Hände. Die Anschlussvergütung für Post-EEG-Anlagen etwa vom 1. Januar 2021 an könne sich als weniger attraktiv erweisen, da sie naturgemäß wegen ihrer Anlehnung an den Börsenstrompreis erst nach einem ganzen Kalenderjahr ausgezahlt würde. Die vorgesehene Ausweitung der Ausschreibungspflicht für PV-Projekte auf Leistungen bis zu 20 MW tangiert Halla zufolge PPA-Vorhaben nicht. Diese seien in der Regel ohnehin 50 MW oder größer. Fazit des Enervis-Analysten: "PPAs werden kommen." 
 
Quelle: energate