Neutral
vergleichen und
auf echten Ökostrom
setzen!

Sektorkopplung treibt Strombedarf

18. Dezember 2020
 
Durch die im Rahmen des Green Deal verschärften Klimaziele der Europäischen Union wird sich voraussichtlich auch der Strombedarf in Deutschland erhöhen. Daher hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE seine Studie "Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem" aus dem Frühjahr nun angepasst.
 
Die aktualisierte Studie zeigt auf, wie viel Ökostrom benötigt wird, um die energiebedingten Emissionen bis 2030 um 65 Prozent und bis 2050 um 100 Prozent zu reduzieren. Eines der Kernergebnisse: Neben dem Strombedarf wächst auch der Bedarf an kurzfristig einsetzbaren Stromspeichern.
 
Strombedarf 2030: 700 bis 780 Mrd. kWh
Neben den originären Stromanwendungen werde Strom künftig auch vermehrt im Verkehr, für Raumwärme, in der Industrie sowie für die Herstellung synthetischer Energieträger eingesetzt, schreiben die Forscher. Dadurch steigt der Bedarf von derzeit etwa 600 Mrd. kWh pro Jahr auf 700 bis 780 Mrd. kWh im Jahr 2030 und 1.250 bis 1.570 Mrd. kWh im Jahr 2050 an. Dafür braucht es entsprechend mehr Windkraft- und Photovoltaikanlagen.
 
Die PV-Leistung müsste sich allein bis 2030 verdrei- oder sogar vervierfachen: von derzeit 53.000 MW auf 155.000 bis 200.000 MW. Die Windkraftleistung müsste sich im selben Zeitraum mehr als verdoppeln: von derzeit 62.000 MW auf 132.000 bis 145.000 MW. Dafür muss der durchschnittliche Zubau pro Jahr auf 10.500 bis 14.800 MW bei der Photovoltaik ansteigen, auf 7.400 bis 8.400 MW bei der Onshore-Windkraft sowie auf 1.400 bis 1.700 MW bei der Offshore-Windkraft. Für 2050 gehen die Studienautoren von einem Bedarf von 340.000 bis 450.000 MW PV- und 240.000 bis 300.000 MW Windkraftleistung aus.
 
Um das Energiesystem an den massiven Zubau der erneuerbaren Energien anzupassen, bedarf es zudem eines hohen Maßes an Systemflexibilität. Hierbei steigt der notwendige Ausbau von Kurzzeitspeichern wie Akkumulatoren gegenüber dem 55-Prozent-Ziel um rund weitere 60.000 MW auf insgesamt 84.000 MW an.
 
Jeder zweite Neuwagen muss elektrisch fahren
Um die schärferen Zwischenziele erreichen zu können, müssen bei gleichbleibender Verkehrsmittelwahl (Modal Split) 2030 etwa 35 Prozent der PKW Elektrofahrzeuge sein, so die Studie. Das entspreche jährlich rund 1,8 Mio. neu zugelassenen Batteriefahrzeugen. Jeder zweite neu zugelassene PKW müsste demnach elektrisch sein. Ab 2030 kommen dann auch mehr wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zum Einsatz, sowohl bei den PKW als auch bei den LKW.
 
Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie
Bei der Versorgung von Gebäuden müssen Wärmepumpen nach Ansicht der Studienautoren "ab sofort" zur Schlüsseltechnologie werden. 2030 müsse ihr Anteil bei 20 Prozent liegen. Für eine vollständige Reduktion der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 werden zwei Drittel aller Heizungsanschlüsse durch Wärmepumpen oder mit synthetischen Brennstoffen (über Gaskessel und Brennstoffzellen) versorgt, ein Drittel wird mit Fernwärme betrieben. Solarthermie findet in dem Szenario keine Berücksichtigung.
 
 
Quelle: energate