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100 Prozent Erneuerbare möglich

27. Februar 2020
 
Der Strombedarf in Deutschland wird sich nach Ansicht der Reiner Lemoine Stiftung bis 2035 verdreifachen. Um den Bedarf zu decken, fordert sie besondere dezentrale Versorgungszentren außerhalb des regulatorischen Rahmens, wie aus einem Papier der Stiftung hervorgeht. 
 
In insgesamt 12 Punkten erklärt die auf Forschung zu erneuerbaren Energien ausgerichtete Institution in dem am 27. Februar erschienenen Papier, wie Versorgung, Netze, Handel und Erzeugung zukünftig aussehen sollen. Dabei geht sie in den kommenden Jahren von einer Verdreifachung des aktuellen Strombedarfs aus, verursacht durch die Klimakrise, Dekarbonisierung und Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors. Um diesen Bedarf zu decken, müssten die Kapazitäten für Windenergie verfünffacht und die für Solarenergie sogar verzehnfacht werden. Damit ließe sich der der prognostizierte Strombedarf in Deutschland in Höhe von 1650 Terawattstunden im Jahr decken.
 
Ausbau vor Ort entfesseln
Rund ein Drittel des Stroms müsse dabei lokal erzeugt, gespeichert und verbraucht werden. Die Stiftung spricht von "neuen Versorgungszellen". In diesen dezentralen Einheiten müsste ein weitgehender Verzicht auf Förderung, Abgaben und Bürokratie gelten, so die Forderung. So entstehe in Mietshäusern, Quartieren oder Gewerbegebieten eine individuelle Ökonomie der Flexibilität.
 
"Bis zum Netzanschlusspunkt sollte jeder machen können, was er will", fordert Eberhard Holstein, Energiemarktexperte bei der RLS. Wer die eigene Stromerzeugung ausbaue und gleichzeitig Lastspitzen abfedere, werde belohnt. "Das gibt den dringend benötigten Anreiz, lokal in die erneuerbare Sektorenkopplung zu investieren“, so Holstein weiter.
 
Grüne Kapazitätsmärkte
Darüber hinaus fordert die Stiftung den Aufbau eines erneuerbaren Kapazitätsmarktes. Dadurch solle im Gegensatz zum aktuellen Marktdesign die bereitgestellte Stromleistung vergütet werden statt nur der tatsächlich gelieferten Menge. Das Argument: Durch den Übergang in das erneuerbare Energiesystem mit niedrigen Grenzkosten verlieren produzierte Kilowattstunden immer häufiger an Wert. Zusammen mit CO2-Abgaben soll laut der Stiftung der Grundpreis zukünftig den netzgebundenen Zubau von Erzeugungskapazitäten anreizen.
 
 
Quelle: energate