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Fehlende Onshore-Windkapazitäten gefährden Klimaziel 2030

02. Juli 2020
 
Der Ausbau von Onshore-Windkraftkapazitäten bleibt derzeit deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Deutschland könnte dadurch das sektorale Klimaziel der Energiewirtschaft für 2030 verfehlen, warnt die Studie "Not in my Backyard - Auswirkungen einer Verfehlung des Ausbauziels für Erneuerbare Energien im Kohleausstiegsszenario" des Energiewirtschaftlichen Instituts (Ewi). 
 
Demnach müssten für fehlenden Windstrom Strom aus Gaskraftwerken und Stromimporte herhalten.
 
Die Ewi-Experten haben zwei Szenarios untersucht und ihre Ergebnisse miteinander verglichen. Das erste Szenario namens "WSBK-Szenario", entspricht den Plänen der Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung". Die Erneuerbaren decken demnach im Jahr 2030 etwa 65 Prozent der Stromnachfrage ab. Dieses Szenario analysierte eine weitere Ewi- Studie "Auswirkungen einer Beendigung der Kohleverstromung bis 2038 auf den Strommarkt, CO2-Emissionen und ausgewählte Industrien". Darin nahm Ewi für Onshore-Windkraft eine Zubauleistung von 94.000 MW an. Dies entspricht einem jährlichen Nettozubau von mehr als 1.500 MW pro Jahr bis 2030. Der tatsächliche Zubau hinkt diesem Wert allerdings deutlich hinterher.

Das zweite Szenario namens "NIMBY-Szenario" (NIMBY - not in my backyard) geht von realistischeren 600 MW pro Jahr aus, weil der Ausbau derzeit aufgrund von gesellschaftlichen Entwicklungen stockt.  2019 stieg die Erzeugungskapazität lediglich um 1.000 MW. Darüber hinaus fallen bis zum Jahr 2030 Windenergieanlagen mit einer Leistung von etwa 27.000 MW aus der EEG-Förderung, rechnet Ewi vor.
 
Höherer CO2-Ausstoß und Großhandelspreis
Laut "NIMBY-Szenario" erzeugen Windkraftanlagen 2030 etwa 63 TWh weniger Windstrom als im WSBK-Szenario. "Der fehlende Windstrom müsste dann durch Gaskraftwerke, aber auch durch Importe kompensiert werden", sagte Max Gierkink, Manager am Ewi. Zudem würden die noch verbleibenden Kohlekraftwerke bis zum Kohleausstieg mit höheren Volllaststunden laufen, sodass mehr Treibhausgase freigesetzt werden. Das sektorale Emissionsbudget von 175 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten würde im Jahr 2030 damit um 30 Mio. Tonnen überschritten. Das Klimaziel wäre nicht erreicht.
 
Ein zweiter Effekt wegen der Windstromkompensation durch Gasverstromung und Stromimporte sei der höhere Großhandelspreis im Jahr 2030. Im NIMBY-Szenario liegt dieser Preis bei 66 Euro/MWh und damit um 8 Euro/MWh höher als im WSBK-Szenario. Laut Studie sinkt die EEG-Umlage in beiden Szenarien. Den Grund dafür sehen die Ewi-Experten bei den steigenden Großhandelsstrompreisen, die ihrerseits höhere Erlöse am Strommarkt ermöglichen.
 
Quelle: energate