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Digitalisierung der Energiewende geht langsam voran

08. April 2020
 
Die Digitalisierung der Energiewende in Deutschland ist im vergangenen Jahr vorangeschritten, hat insgesamt aber noch viel Verbesserungsbedarf. Im zweiten von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young verfassten "Digitalisierungsbarometer" im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums steht die Bewertungsampel in den meisten Feldern auf orange. 
 
Lediglich beim Faktor Zertifizierung der Smart-Meter-Geräte zeigt das Barometer gelb an. Der Gesamtbarometer-Wert liegt bei 36 von 100 Punkten und ist damit um 14 Punkte höher als im Vorjahr.
 
Wenig Wissen über Rollout
Als Grund für die Verbesserung nennen die Gutachter die inzwischen erfolgte Gerätezertifizierung und die Markterklärung. Damit sei ein wichtiges Etappenziel bei der Digitalisierung der Energiewende erreicht. Punktezuschlag gibt es auch für den reibungslosen Rollout der modernen Messeinrichtungen, die gesicherte Geräteversorgung und mehr Transparenz und Planungssicherheit beim regulatorischen Fahrplan, heißt es in der Analyse. Das Ergebnis sei eine "ermutigende Zwischenbilanz", insgesamt bleibe der Weg zur Digitalisierung aber "komplex und herausfordernd".
 
Deutlich wird das vor allem beim Faktor "Einbindung der Letztverbraucher" in die digitale Energiewende. Umfragen hätten gezeigt, dass der Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz zum Smart-Meter-Rollout bei Kunden im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen seien. Auch bezüglich der Kommunikationstechnologie für die Digitalisierung der Energiewende attestieren die Gutachter Mängel. "Die vorhandenen Telekommunikationsnetze und -angebote können die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Digitalisierung der Energiewende nicht vollumfänglich erfüllen", heißt es in dem Bericht.
 
BNE: Digitalisierung schleichender Zug
Hinsichtlich des Faktors Marktkommunikation sehen die Autoren eine leichte Verbesserung zum Jahr zuvor. Hier rückte der Zeiger von rot im vergangenen Jahr auf aktuell orange. Die Branche habe die Ende 2018 beschlossene "Marktkommunikation 2020" umgesetzt. Allerdings gelte dies für die vorübergehende Festlegung der Leitlinien durch die Bundesnetzagentur, eine Umsetzung des Zielmodells sei nicht vor 2026 zu erwarten. Auch der Bereich Standardisierungsprozess gewinne an Kontur: Das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe die fachliche Ausarbeitung der Roadmap mit klaren Zeitvorgaben gestartet.
 
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) bewertet die Ergebnisse der Analyse kritisch. "Man mag loben, dass der seit Jahren am Bahnsteig stehende Zug nun mühsam etwas an Fahrt gewonnen hat, von einer zügigen Fahrt zu einem rechtzeitig zu erreichendem Ziel kann nach wie vor keine Rede sein", so BNE-Geschäftsführer Robert Busch. Durch die jahrelange Verzögerung und den verspäteten Beginn würden sich nun die schnell steigenden Anforderungen der digitalen Energiewende und der Stand der Technik zunehmend weiter von den Möglichkeiten entfernen, die der geplante Rollout biete. Dabei würde die Coronakrise zeigen, wie wichtig eine ausreichende Digitalisierung sei, so Busch weiter.
 
Dämpfer durch Corona
Die Coronakrise könnte die Fortschritte aus dem vergangenen Jahr zudem wieder bremsen. Messstellenbetreiber gaben bereits an, dass der eingeschränkte Kundenkontakt und Lieferengpässe den Einbau der Smart-Meter-Gateways wahrscheinlich verzögern werden 
 
 
Quelle: energate