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Deutschland muss Erneuerbarenausbau verdreifachen

22. Oktober 2020
 
Die gute Nachricht ist: Eine Reduktion der Treibhausgase in Deutschland bis 2030 um 65 Prozent ist möglich. die Klimaneutralität bis 2050 ist machbar. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Denkfabriken Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität, die sie jetzt in Berlin vorgestellt haben. Dazu brauche es aber ein großes Investitionsprogramm, vor allem mit einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. 
 
"Es ist preisgünstiger die Welt zu retten, als sie zu ruinieren", sagte Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, bei der Präsentation der Studie. Die Weichen würden in der nächsten Legislaturperiode gestellt. Das Regierungsprogramm nach der Bundestagswahl 2021 sei deshalb von zentraler Bedeutung.
 
Verdreifachung des Erneuerbaren-Zubaus
Konkret fordert die Studie eine Verdreifachung des Zubaus von Windkraft und Photovoltaik in den nächsten zehn Jahren, um alle Sektoren möglichst weitgehend zu elektrifizieren. Die Autoren empfehlen einen beschleunigten Ausbau auf knapp 70 Prozent am Bruttostrombedarf bis 2030 - auf 25.000 MW Offshore Wind, 80.000 MW Onshore Wind und 150.000 MW Photovoltaik. Die bisherigen Pläne zur Reform des Erneuerbarem Energien Gesetzes (EEG) würden hier nicht ausreichen.
 
Das deutsche Klimaziel für 2030 solle außerdem auf 65 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zu 1990 angehoben werden, was den Plänen der EU gerecht werden würde. Sie will das EU-Klimaziel von bisher -40 Prozent auf -55 bis -60 Prozent hochsetzen. Der Kohleausstieg solle schon bis 2030 abgeschlossen sein.
 
Anschließend würde ein zweiter Schritt mit einem vollständigen Umstieg auf klimaneutrale Technologien folgen, so dass die Emissionen um 95 Prozent sinken. Mit einem dritten Schritt würden schließlich nicht vermeidbare Restemissionen durch CO2-Abscheidung und -Lagerung ausgeglichen. Den Einsatz von Carbon Capture and Storage (CCS) schließt die Studie somit mit ein. "Wir sehen keine Alternative für die letzten fünf Prozent CO2-Emissionen", sagte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, bei der Vorstellung der Studie.
 

"Weg in ein neues Wirtschaftswunder"
Graichen betonte zugleich die wirtschaftspolitische Bedeutung eines ambitionierten Klimaschutzpakets. "Der Weg in die Klimaneutralität ist ein umfassendes Investitions- und Zukunftsprogramm für Deutschland, vergleichbar mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er/60er-Jahren", sagte er. Der Ausbau von Wind- und Solaranlagen sei nicht nur im öffentlichen Interesse, sondern diene der nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit.

Die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie gehöre ebenfalls dazu, genau wie die energetische Sanierung fast aller Gebäude. Statt wie angepeilt 10 Mio. Elektroautos müssten bis 2030 sogar 14 Mio. auf der Straße sein, sagte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Die Studienautoren nehmen an, dass der Stromverbrauch vor allem durch die Elektromobilität, aber auch durch Wasserstoffherstellung, Wärmepumpen oder Prozessumstellungen in der Industrie bis 2050 um 50 Prozent auf etwa 930 Mrd. kWh steigt.

Es sei völlig richtig von einem höheren Stromverbrauch als heute auszugehen, sagte dazu Kerstin Andreae, Vorsitzende des  Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Die Annahme des Bundeswirtschaftsministeriums, der Strombedarf werde 2030 so hoch sein wie heute, ist mit Blick auf die wachsende Bedeutung von Strom und strombasierten Energieträger in den Bereichen Verkehr und Industrie nicht realistisch."

"Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende"
Andreae setzt wie die Studienmacher auch auf den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft. Noch vor 2030 müsse Wasserstoff im Strommarkt eine Rolle spielen, so die Autoren. Da die Herstellung jedoch ineffizient und der Import mit hohen Kosten verbunden ist, sieht Baake den Wasserstoffeinsatz nur dort, wo es nicht anders geht: "Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende", sagte der ehemalige Energiestaatssekretär. Es sei immer günstiger Strom direkt einzusetzen. Im Verkehr - auch im Straßengüterverkehr - sieht Baake den Einsatz daher nicht. Im Stromsektor hingegen werde Wasserstoff benötigt, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint.

Vor allem die Grünen sehen sich durch die Studie bestätigt: "Wie zuletzt die Studie von Fridays for Future zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens kommt auch diese Untersuchung zu dem Schluss, dass es nur mit einem viel schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien etwas wird mit dem Klimaschutz", sagte Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Die Studie des Wuppertal-Instituts im Auftrag der Klimaschutzbewegung forderte sogar, Deutschland müsse schon 2035 die CO2-Neutralität erreichen.

Für die Studie untersuchten die drei beauftragten Institute Prognos, Öko-Institut und Wuppertal-Institut insgesamt ein Jahr lang detailliert die Maßnahmen in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfall. Auch die Bereiche Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft sowie die effiziente Gewinnung und Nutzung von Bioenergie haben sie umfassend analysiert.

 
 
Quelle: energate