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Analysen: Mindestabstand gefährdet Energiewende

25. November 2019
 
Der von der Bundesregierung geplante pauschale Mindestabstand von 1.000 Metern von Windkraftanlagen zu Wohngebäuden steht den Ausbauzielen für erneuerbare Energien entgegen. Das zeigen zwei aktuelle Analysen. Sie kommen zwar zu sehr unterschiedlichen Zahlen, der Tenor ist aber der gleiche.  

Die Münchner Forschungsstelle für Energie (FfE) fokussierte sich bei ihrer Analyse vor allem auf die Ausweitung der Abstandsregelung auch für Streusiedlungen. Diese würde das Ziel, 65 Prozent des Strombedarfs bis zum Jahr 2030 über erneuerbare Energien zu decken, "erheblich erschweren", so die FfE. Das Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) geht sogar noch weiter. In seiner Analyse "Ohne Windenergie keine Energiewende" kommt das IASS zu dem Schluss, "dass ein pauschaler Mindestabstand von 1.000 Metern den weiteren Ausbau von Windenergie praktisch komplett zum Erliegen bringen würde". Bereits zuvor war ein Gutachten von Navigant Research zu dem Schluss gekommen, dass der Mindestabstand die für die Windkraft verfügbaren Flächen deutlich schrumpfen lasse.
 
IASS: Windkraftausbau kommt zum Erliegen
Laut der Analyse des IASS würde sich das Windkraftpotenzial bei einem pauschalen Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und Wohngebäuden von 1.000 m gegenüber 600 Meter deutschlandweit um 65 Prozent reduzieren, und zwar auf 35-52 GW. Bei 800 Meter sei es vorstellbar, dass das deutsche Windkraftziel von bis zu 86 GW Windkraft bis 2030 zu erreichen sei. Bei 600 Meter Mindestabstand könne die Windkraft an Land hingegen "zum tragenden Pfeiler der zukünftigen klimaneutralen Stromversorgung ausgebaut werden und somit auch die Ausbauziele für Windenergie bis 2050 erreicht werden". Die 600 Meter entsprechen der dreifachen Höhe einer modernen Windkraftanlage, ab der laut aktueller Rechtsprechung keine in der Regel keine optische Störung mehr vorliege, so das IASS. Allerdings liegen in vielen Bundesländern auch schon heute die geforderten Abstände deutlich über dieser Marke.
 
Die IASS-Analyse kommt zudem zum Ergebnis, dass Bundesländer und Gemeinden von dem Mindestabstand je nach Bevölkerungsdichte unterschiedlich stark betroffen sind. Tendenziell sind dünner bevölkerte Gebiete weniger stark betroffen. Damit gibt sich ein Gefälle von Nord nach Süd und von Ost nach West. Am wenigsten betroffen wäre nach den Berechnungen Brandenburg. Aber selbst dort würden fast 50 Prozent der Flächen, die bei 600 verfügbar seien, bei einer 1000 m-Regelung ausgeschlossen.

FfE: Potenzial kann um 26 Prozent sinken
In ihrer Analyse untersuchte die FfE insbesondere, welche Folgen die Ausweitung des Mindestabstands auch auf kleine Siedlungen hat. Laut FfE würde sich das ausgewiesene Flächenpotenzial für Windenergie mit der neuen Abstandsregelung um 20 Prozent, im Süden des Landes sogar um 30 Prozent reduzieren. Damit könne das Potenzial um bis zu 26 Prozent sinken, schreibt die FfE. In den Stadtstaaten und Sachsen reduziere sich das Potenzial um 70 bis 90 Prozent. In den Flächenstaaten um 10 bis 35 Prozent. Besonders im Süden Deutschland mit den dort ohnehin sehr ungünstigen Bedingungen würde sich das Windkraftpotenzial weiter verschlechtern. Aktuell stehen nach der Auswertung der FfE 50 Prozent der Windenergieanlagen weniger als 1.000 m von der nächsten Siedlung mit mindestens drei bis sechs Wohnhäusern entfernt. Damit wären sie von der Neuregelung direkt betroffen, etwa wenn es um die Frage des Repowering geht.
 
Die Bundesregierung plant, den Mindestabstand schon ab fünf Wohneinheiten zur Regel zu machen, wobei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hier zuletzt Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) war ohnehin schon Mitte November aus dem Kompromiss zu den Abstandsregeln ausgeschert. Zuletzt mehrten sich sowohl aus Reihen der CDU als auch der SPD Kritik an den Plänen.
 
 
Quelle: energate